Region Oschatz
07.09.2010
. Nein, Deutschland schafft sich nicht ab, wie der Hobby-Autor Thilo Sarrazin befürchtet. Abgeschafft wird jetzt zunächst dieser Zeitgenosse, der ständig mit mehr oder weniger überlegten Äußerungen über Zuwanderer, jüngst auch über genetische Unterschiede zwischen Volksgruppen, Staub aufwirbelt. Sarrazins Arbeitgeber, die Bundesbank, soll den Mann entlassen, die SPD-Spitze will ihn aus der Partei ausschließen, die Mehrheit der Meinungsbildner bricht krachend den Stab über ihn.
Das hat sich Sarrazin auch selbst eingebrockt. Wer, nach dem Holocaust gefragt, sagt, nichts dürfe vergessen werden, auch nicht der Dreißigjährige Krieg, der sollte vor dem Reden besser das Gehirn einschalten. Wo dieser Finanzmensch bei seinen Leisten bleibt, benennt er aber Probleme, die nicht durch kollektive Verurteilung des Boten „abgeschafft“ sind.
Ziemlich dünn gerät zudem der Versuch, den Angeklagten mit dem Hinweis klein zu machen, er sage nichts Neues. Ja, warum dann die Aufregung? Weil er das bequeme Verdrängen von Problemen stört, die dringend gelöst werden müssten: Deutschland braucht Zuwanderer - dies sagen nicht mehr nur die Grünen oder die SPD, sondern, mit Blick auf ihre Aufgabenfelder Unternehmer, Ingenieure oder Forscher. Darüber unaufgeregt zu reden und politisch zu entscheiden, das ist verlangt. Sarrazin hin oder her.
Kommentieren Sie diesen Artikel